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Not preachy. Not patchouli.

  • Autorenbild: Ursula Pritz
    Ursula Pritz
  • 20. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Warum Sustainable Premium eine Frage von Zeitgefühl ist.



Chioggia-Rüben mit markanter Ringzeichnung – roh, unperfekt, im natürlichen Licht.
Chioggia - Eine Rübe, die man nicht erklären muss.

Ich sitze in einem Lokal und esse einen veganen Rübeneintopf.

Die Kellnerin erklärt mir, was das für eine Rübe ist.

Eine alte Sorte. Noch nie gehört. Superspannend.

Ich höre zu, koste – und merke: Das hier ist kein Ersatzgericht.

Das ist ein Statement.

Einfach, irgendwie einzigartig, ohne Absicht zu gefallen.

Am Nebentisch werden Austern serviert.

Klassisch. Kühl. Irgendwoher hergekarrt.

Status, der sich selbst zitiert.

Und plötzlich passiert etwas Interessantes:

Mein Eintopf fühlt sich exklusiver an als die Austern.

Wie aus einer anderen Welt, aus einer spannenden, neuen.

Nicht moralisch überlegen. Nicht „besser für die Welt“.

Sondern zeitgemäßer. Besser für mich.


Und plötzlich bin ich Rübenfan.


Wenn Welten aufeinanderprallen


Das eigentliche Irritationsmoment war nicht der Vergleich zwischen Rübe und Auster.

Es war, dass beides im selben Lokal stattfand.

Zwei völlig unterschiedliche Logiken von Exklusivität, nebeneinander auf der Karte:

  • hier: Kontext, Wissen, Ort, Saison

  • dort: Prestige, Gewohnheit, alte Luxuscodes

Das war kein spannender Kontrast.

Das war ein Bruch im Erlebnis.

Denn nicht alles passt gleichzeitig.

Und genau das ist der Punkt.


Exklusivität hat ihre Codierung gewechselt


Früher war Premium leicht zu erkennen: teuer, selten, weit gereist.

Heute wirkt genau das oft erstaunlich alt.

Was heute als exklusiv empfunden wird, folgt einer anderen Logik:

  • Kontext statt Status

  • Wissen statt Pose

  • Passung statt Prestige


Der Rübeneintopf funktionierte, weil er nur hier Sinn machte.

Die Austern hätten funktioniert –am Meer, in Frankreich, frisch aus einer nachhaltigen Zucht,

mit Blick auf den Horizont.

Nicht alles ist überall premium.


Sustainable Premium ist kein Moralprojekt


Hier scheitert preachy Nachhaltigkeit zuverlässig.

Sie erklärt zu viel.

Sie will überzeugen. Nicht begeistern.

Sie setzt auf das richtige Argument – statt auf das richtige Gefühl.

Sustainable Premium funktioniert anders.

Es fragt nicht: Was ist richtig?

Sondern: Was passt – hier und jetzt?


Geschmack ist Wissen


Was mich an diesem Abend überzeugt hat, war nicht „vegan“.

Es war nicht „regional“.

Es war Geschmack als Ausdruck von Verstehen.

Ganz im Sinne von Ana Andjelic:

Premium entsteht nicht durch bessere Produkte, sondern durch kulturelle Codes.


Der entscheidende Satz lautet nicht:

Ich kann mir das leisten.

Sondern:

Ich verstehe, was hier passt.


Sustainable Premium – kurz gefasst


Sustainable Premium ist keine neue Qualitätsstufe.

Es ist eine andere Art von Qualität.

Eine, die:

  • aus Systempflege entsteht

  • sich sinnlich zeigt

  • nicht überall funktioniert

  • nicht für alle gedacht ist

Und genau deshalb begehrlich ist.


Warum preachy Nachhaltigkeit verliert


Preachy Nachhaltigkeit will überzeugen.

Sustainable Premium will anziehen.

Preachy erklärt Werte.

Sustainable Premium zeigt Geschmack.

Preachy ist für alle.

Sustainable Premium ist selektiv.

Nicht elitär.

Sondern zeitgenössisch.


Ein letzter Satz


Exklusivität ist heute keine Frage von Luxus,

sondern von Zeitgefühl.


Alles andere ist Erklärung.


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